Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) nennt in ihrer aktuellen Stellungnahme zum Sicherheitspaket (PDF) die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung zur biometrischen Fahndung im Internet und zur automatisierten Datenanalyse „zum Großteil verfassungswidrig“. Die Bürgerrechtsorganisation lehnt deshalb die Einführung der darin vorgeschlagenen Befugnisse und Änderungen fast rundweg ab.
Es handle sich bei den geplanten Befugnissen nicht nur um Werkzeuge, die zu schwerwiegenden Grundrechtseingriffen führen, sondern um „Instrumente zur potenziellen Massenüberwachung“, weil es sich eben nicht um gezielte Maßnahmen handle. Gleichzeitig würden keinerlei Nachweise vorliegen, dass diese Befugnisse tatsächlich zu einer effektiven Polizeiarbeit beitragen würden, so die GFF.
Staatliche Souveränität vollkommen ausgeblendet
Besonders besorgniserregend sei auch, dass die Referentenentwürfe staatliche digitale Souveränität vollkommen ausblenden würden, heißt es in der Stellungnahme. Das liege daran, dass der Gesetzentwurf vorsieht, dass biometrische Abgleiche im Internet auch von privaten Unternehmen im Ausland durchgeführt werden dürfen. Zu solchen Unternehmen gehört zum Beispiel das umstrittene PimEyes, über das netzpolitik.org oftmals berichtet hat. Solche Unternehmen haben die Gesichtsbiometrie von Millionen Menschen gegen alle Regeln des europäischen Datenschutzes erlangt, indem sie ohne zu fragen Gesichtsbilder im Internet ausgewertet und gespeichert haben.
Darüber hinaus ist laut der GFF auf Grundlage des Entwurfs auch der Einsatz von Softwaretools privater Anbieter für eine Datenanalyse möglich, wie etwa die Software Gotham des US-Unternehmens Palantir. Trotz dieser Möglichkeit sieht der Entwurf laut der GFF keinerlei Vorgaben vor, die sensibelste Polizeidaten vor Fehlern, Datenlecks, unberechtigtem Zugriff, missbräuchlicher Nutzung oder Manipulation schützen. Sogar zum Training von KI-Systemen dürften polizeiliche Daten an private Unternehmen übermittelt werden.
„Eingriffe in die Grundrechte aller Menschen“
Der biometrische Abgleich mit Daten aus dem Internet ermögliche „schwerwiegende Eingriffe in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ – und das bei einer enormen Streubreite. Das ermächtige die Bundespolizei zu Eingriffen in die Grundrechte potenziell aller Menschen, kritisiert die GFF. Denn diese könnten nur begrenzt beeinflussen, ob zum Beispiel Bild- und Videomaterial oder Tonaufnahmen von ihnen gegen ihren Willen im Internet veröffentlicht werden.
Außerdem könnten durch den Abgleich Rückschlüsse auf besonders sensible Daten wie politische Einstellungen und sexuelle oder religiöse Orientierung gezogen werden, z.B. bei Aufnahmen von Demos, Veranstaltungen oder Gottesdiensten.
Wir sind communityfinanziert
Unterstütze auch Du unsere Arbeit mit einer Spende.
Das Internet mache mittlerweile einen erheblichen Teil des öffentlichen Raumes aus. Mit den neuen Befugnissen werde die Anonymität in diesem digitalen öffentlichen Raum faktisch unmöglich gemacht. Das sei mit enormen Abschreckungseffekten verbunden und habe erhebliche Auswirkungen auf die Ausübung von Grundrechten, kritisiert die GFF.
Kritik haben die Bürgerrechtler:innen auch an der Eingriffsschwelle für die Nutzung der Instrumente, die laut der schwarz-roten Koalition ab „erheblichen Straftaten“ gelten soll. Doch diese genügten nicht dem verfassungsrechtlich notwendigen Gewicht einer besonders schweren Straftat. Zudem würden die erfassten Straftaten im Gesetzentwurf nicht hinreichend konkretisiert.
„Mächtige Überwachungsmaßnahmen“ mit Palantir & Co.
Bei der automatisierten Datenanalyse, wie sie etwa Palantir durchführt, sollen große Mengen auch bislang ungefilterter oder getrennt gespeicherter Daten mit weiteren Daten verbunden und verarbeitet werden. Die Polizei erhofft sich durch die Zusammenführung neue Erkenntnisse.
„Dabei besteht die Gefahr, dass aufgrund von Fehlern im Analyseprogramm, insbesondere aufgrund diskriminierender Algorithmen, Menschen fälschlicherweise ins Visier der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden geraten, obwohl sie dafür keinen Anlass geboten haben“, kritisiert die GFF. Sie warnt zudem vor Einschüchterungseffekten und davor, dass aufgrund des Ausbaus der Überwachung immer mehr sensible Daten bei den Behörden gespeichert werden dürfen. „Automatisierte Datenanalysen sind mächtige Überwachungsmaßnahmen“, folgert die Organisation. Deswegen seien strenge Beschränkungen zum Schutz der Grundrechte nötig.
Die GFF fordert deswegen:
Die Datenanalyse sollte dabei insbesondere ausdrücklich auf einfach-automatisierte Abgleiche und reine Suchvorgänge begrenzt werden. Algorithmische Sachverhaltsbewertungen, Profiling und KI-basierte Analysen müssen ausgeschlossen werden. Die Menge der einbezogenen Daten ist stark zu begrenzen. Die Eingriffsschwellen für automatisierte Datenanalysen müssen erhöht und Schutzmaßnahmen gegen Fehler, Diskriminierung und Intransparenz aufgenommen werden.
In der 30 Seiten starken Stellungnahme, welche die GFF im Rahmen der Verbändebeteiligung abgegeben hat, sind zahlreiche weitere Bedenken hinsichtlich der Verfassungsmäßigkeit der Überwachungspläne der Bundesregierung gelistet. Auch andere Organisationen aus der Zivilgesellschaft wie Amnesty International oder der Chaos Computer Club haben massive Kritik an dem Vorhaben der Bundesregierung.

Eben aus genau den Gründen, welche Macht(ausübung) und Rückschlüsse aus solchen Daten, total einfach gezogen werden können z.B.: Wer war auf der Demo gegen Wehrpflicht, bei Protesten die eskaliert sind, wo es zu Sachschäden, kriminellen Protestaktionen o.ä gab, welche waren auch im lokalen Planungsteam involviert, wo sich Gruppe XYZ, vor den Protesten traf.
Welche Anti-Kriegsaktivisten, sind bei Protesten gewesen, gegen einen Krieg, welchen die Regierung unterstützt? Durch welchen Informant, hat Investigativ Journalist/in Informationen erhalten, welche sensible Bereiche der Regierungsarbeit oder sehr Regierungsnahen Lobbyismus berichten kann? Wer konnte jene XYZ an Informationen leaken und an die Öffentlichkeit geraten lassen? Welche starke und Einflussreiche Kontakte hat jene/r Teil an Oppositioneller politischen Personengruppe? Welche Oppositionelle Gruppe könnte durch Ihre sehr Einflussreichen Kontakte eine Gefahr werden? All diese Informationen und Daten in den Händen der Macht, in den Händen der Regierung zu haben, um damit jegliche politisch unerwünschte Einflussnahme nachvollziehen oder im vorhinein Kontern zu können, sowie Gegenmaßnahmen planen und umsetzen zu können, ist einfach zu verlockend, um sich nicht die ganze Macht, der Zukunftsgestaltung, politischer Ereignisse zu eigen machen zu können, um die Politischen Ziele, der eigenen Partei oder Regierungskoalition und die jeweilige Agenda umsetzen zu können. Es ist wie ein feuchter Traum, für jeden der gern Kontrolle über die Politische Zukunft haben will, mitbestimmen, Gesetzesvorhaben formulieren vermag, die eigene Politische Ideologie umsetzen möchte. Daher wird die Regierung sich sicher nicht solch eine Gelegenheit selbst entgehen lassen und/oder zurückhalten können! Zu Verlockend ist dieser Gesellschaftliche Bereich, um nicht darauf Einfluss haben zu wollen!